Willibald Gebhardt Stiftung

Willibald Gebhardt
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Willibald Gebhardt

Gebhardts Biografie

 

Karl August Willibald Gebhardt, geboren am 17. Januar 1861 in Berlin, gestorben am 30. April 1921 in Berlin, war ein Förderer der modernen internationalen Olympischen Spiele und Begründer der Olympischen Bewegung in Deutschland.

 

Für die Olympischen Spiele in Athen 1896, in Paris 1900 und in St. Louis 1904 gründete er jeweils Olympische Komitees, um die Teilnahme deutscher Turner und Sportler an diesen Spielen zu ermöglichen. Im März 1904, wenige Wochen vor den Olympischen Spielen 1904, gelang es ihm, mit einigen früheren Gegnern seiner Pläne, Repräsentanten des in Deutschland führenden Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und Jugendspiele (ZA), das erste ständige Nationale Olympische Komitee für Deutschland zu gründen: den Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS), dessen 1. Geschäftsführer er wurde.Der DRAfOS war das erste dauerhafte nationale Olympische Komitee weltweit.

 

Gebhardt wurde 1896 als erster deutscher Vertreter in das internationale Olympische Komitee (IOC) berufen, dem er bis 1909 angehörte. Als „Chef de Mission“ begleitete er die deutschen Mannschaften zu den Olympischen Spielen 1896, 1900, 1904 und war Mitglied der deutschen Delegation bei den Zwischenspielen in Athen 1906. Anlässlich der Olympischen Spiele 1904 vertrat er gemeinsam mit seinem Freund Ferenc Kemény das IOC in St. Louis.

Trotz der Erfolge muss das Verhältnis zwischen Willibald Gebhardt und Baron Pierre de Coubertin als problematisch eingeschätzt werden. Gebhardt tat in den Jahren seines Wirkens alles, um der politischen Diffamierung des französischen Barons und seiner Idee, Internationale Olympische Spiele zu veranstalten, in den Kreisen der deutschen Turnerschaft, in der deutschen Tagespresse und bei den nationalen Vertretern des Sports entgegen zu wirken und seine Gegner für eine Mitwirkung zu gewinnen. Gleichwohl versagte es sich Pierre de Coubertin nicht, Gebhardt, den Deutschen, u. a. wegen seiner panhellenischen Vorstellungen für die Entwicklung Olympischer Spiele, mehrmals persönlich und in der Öffentlichkeit bei Sessionen und Kongressen des IOC zu brüskieren.

 

 

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) 1896 in Athen: stehend von  links Dr. Willibald Gebhardt, Dr. Jiri Guth, Ferenc Kemény, General Viktor Balck; sitzend von links Baron Pierre de Coubertin, Dimitrios Vikelas, Marshall Alexander Butovsky

Willibald Gebhardt studierte nach dem Abitur an den Universitäten Marburg und Berlin Chemie und promovierte 1885 zum Dr. phil. In einem Zweitstudium widmete er sich danach der Physiologie und Hygiene, bevor er 1890 für fünf Jahre in die USA auswanderte. Dort beschäftigte er sich mit modernen Lichtheilverfahren und kam mit der frühen amerikanischen Hygiene- und Olympiabewegung, u. a. bei der Weltausstellung in Chicago 1893, in Kontakt.

Nach seiner Rückkehr aus den USA 1895 setzte sich Gebhardt in den Jahren danach nicht nur erfolgreich für die Beteiligung Deutschlands an den Internationalen Olympischen Spielen ein, sondern arbeitete, allerdings weniger finanziell erfolgreich, als Unternehmer und Erfinder.

Gegen den allseitigen Widerstand der nationalen Vertreter für Turnen und Sport, der Deutschen Turnerschaft (DT) und des ZA, aber mit Unterstützung des deutschen Kaiserhauses, gelang es ihm , das Komitee für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen in Athen 1896 zu gründen. Er selbst stand dem Fechtsport nahe und wurde Gründungsmitglied des ersten deutschen Fechterbundes 1897.

Zahlreiche Gebrauchsmuster und Patente für verschiedene Apparate des Lichtheilverfahrens und Gerätschaften für eine diätische Ernährung wurden auf seinen Namen am Deutschen Patentamt eingetragen. Als promovierter Naturwissenschaftler forderte er schon früh nach amerikanischem Muster anthropometrische Untersuchungen für die deutschen Turner und Sportler und die Einrichtung einer „wissenschaftlichen Trainieranstalt“. Die wissenschaftliche Erforschung des aufstrebenden Sports war ihm ebenso ein Anliegen wie die Vermittlung der olympischen Werte und Normen in der schulischen Erziehung. Seine Bemühungen im IOC, schon 1904, 1908 oder 1912 die Olympischen Spiele in Berlin auszurichten, blieben aus mehreren Gründen erfolglos. Aus diesen Bemühungen rührten die Pläne, in Berlin ein repräsentatives Stadion zu bauen; Pläne, die allerdings erst nach dem Zuschlag, die Olympischen Spiele 1916 in Berlin durchzuführen, 1913 erfolgreich umgesetzt wurden.

Bis heute wird darüber spekuliert, aus welchen Gründen Gebhardt nur wenige Monate nach den Athener Zwischenspielen 1906 seine Ämter im DRAfOS und 1909 nach der Berliner Session auch sein Amt als deutscher Vertreter im IOC niederlegte. Waren es lediglich private, finanzielle Probleme? War es der junge Journalist Carl Diem, der mit seinem Tatendrang und Organisationsgeschick Willibald Gebhardt 1906 zur Seite drängte? Waren es die adeligen Militärs, die sich ab 1905 der deutschen Olympiabewegung forsch zuwendeten und im bürgerlichen Zivilisten Gebhardt, der zudem der internationalen Friedensbewegung nahe stand, keinen guten deutschen Vertreter mehr sahen? Oder war es Baron Pierre de Coubertin selbst, der den aus seiner Sicht schwierigen, weil selbständigen, Deutschen lieber gegen mehr „olympisch-willfährige“ deutsche Adelsritter austauschen wollte?

Der Olympischen Bewegung blieb Gebhardt dennoch verbunden. So meldete er sich vehement bei seinem Nachfolger als Generalsekretär beim DRAfOS, Carl Diem, zu Wort, als sich 1917 unter dessen Federführung der DRAfOS offiziell von der internationalen Olympischen Bewegung verabschiedete und zukünftig nur noch deutsche Kampfspiele veranstalten wollte. Bei Pierre de Coubertin protestierte er heftig gegen die Entscheidung des IOC, Deutschland und seine Alliierten von der Teilnahme an kommenden Olympischen Spielen, wie denen in Antwerpen 1920, ausschließen. Für Gebhardt hatten Diem und de Coubertin, jeder auf seine Weise, versagt und gegen die Olympische Idee verstoßen. Nur in einer politischen Erneuerung des IOC zu einem „Völkerbund für Olympische Spiele“ sah Gebhardt die Möglichkeit, die deutsch-französischen Fronten nach dem Ersten Weltkrieg zu überwinden. Aber von deutscher Seite zeigte man, nachdem fachlicher Rat bei Diem eingeholt worden war, überhaupt kein Interesse an Gebhardts Ansinnen. Wenige Wochen vor seinem Tod erreichte Gebhardt diese Nachricht, wenige Monate später wurden 1922 die von Diem geforderten 1. Deutschen Kampfspiele in Berlin eröffnet.

Diese und einige andere Lebenskapitel Gebhardts in den Jahren 1906 bis 1921 harren immer noch der genauen Erforschung. So liegt denn bis heute keine vollständige Biografie Willibald Gebhardts vor. Eine öffentliche Anerkennung und Würdigung der zahlreichen Impulse und Leistungen, die mit dem Wirken Gebhardts für den deutschen Sport und seiner internationalen Repräsentanz verbunden sind, konnte in Ansätzen erst in den letzten Jahren erreicht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Gedenktafel am Willibald Gebhardt Sportzentrum in Berlin-Schöneberg

Lange Zeit erinnerten nur eine Gedenktafel am Berliner Olympia-Stadion sowie der Name einer grünen Wiese im „Sportforum“ hinter dem Olympia-Stadion an die nationalen und internationalen Verdienste des Begründers der Olympischen Bewegung und des ersten Protagonisten für eine wissenschaftliche Erforschung des Sports in Deutschland.

Das Essener Willibald Gebhardt Institut (WGI) trägt seinen Namen seit 1992 und konnte bisher mit zwei Sammelbänden in seiner Schriftenreihe an den olympischen Pionier erinnern. Den Bemühungen des Instituts, der Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer des WGI und des Landessportbundes (LSB) Berlin ist es zu verdanken, dass seit dem Februar 2003 das Sportzentrum Berlin-Schöneberg seinen Namen trägt. Am 10. November 2005 konnte dort eine Gedenktafel eingeweiht werden, die von dem bekannten Berliner Bildhauer Paul Brandenburg geschaffen wurde. Diese Ehrung Willibald Gebhardts konnte dank finanzieller Zuwendungen des WGI, des LSB Berlin, des Deutschen Sportbundes, des NOK für Deutschland und von Privatpersonen realisiert werden.